Hallo,
ich bin Jan. Willkommen bei der ersten Ausgabe von The ZONE5 Drop.
Mit ZONE5 suchen wir Antworten auf die Frage: Unter welchen Bedingungen leisten Menschen und Teams Außergewöhnliches und fühlen sich dabei richtig wohl?
Dafür bringen wir wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen von Experten und Beispiele aus der Praxis zusammen – aus der Arbeitswelt, dem Sport und anderen Leistungskontexten.
Der ZONE5 Drop ist dein wöchentlicher Einstieg: ein interessanter Gedanke, ausgewählte Nachrichten und eine Aufgabe zum Ausprobieren.
In dieser Ausgabe
=> Ein Gedanke: Eine Stunde ist nicht immer eine Stunde.
=> Ausprobieren: Was wirkt nach? Eine Aufgabe in fünf Zonen.
=> Außerdem: Die Award-Gewinner, fünf Fundstücke und ZONE5 live in München mit Carmen Höfflin.
Eine Stunde ist nicht immer eine Stunde.
Bei der Arbeit am ZONE5 Award war ich abends müde – und morgens voller Vorfreude. Jede Stunde Arbeitseinsatz gab mir mehr Energie.
Bei der Vorbereitung des Jahresabschlusses mit meinem Steuerberater hingegen war ich nicht so positiv aufgeladen. Obwohl ich daran weniger Stunden gearbeitet habe, war das gefühlt viel mehr Kraftaufwand.
Aufmerksam wurde ich auf diesen Unterschied, als ich trotz guter körperlicher Verfassung ungewöhnlich erschöpft war.
Wie viel Belastung steckt in einer Aufgabe – und wie viel in dem, was sie vorher und nachher mit uns macht?
Beim Recherchieren dazu, stieß ich auf allostatische Last. Und auf eine Studie, die unterscheidet, wie uns Arbeit nach Feierabend beschäftigt.
Was passiert, wenn der Termin vorbei ist – aber im Kopf weiterläuft?
Kennst du das: Auf dem Heimweg fällt dir die Lösung für ein Problem ein. Du willst sie morgen ausprobieren, bist positiv aufgeladen und freust dich auf morgen.
Oder du führst das blöde Gespräch im langweiligen Meeting vom Nachmittag im Kopf noch einmal. Und noch einmal. Ja - und noch einmal. Immer dieselbe Bemerkung, immer derselbe Ärger. Ätzende Schleife.
Beides ist Nachdenken über Arbeit. Doch in einer Befragung von 719 Berufstätigen zeigte sich ein Unterschied: Emotional belastendes Grübeln ging mit stärkerer Ermüdung einher, lösungsorientiertes Nachdenken mit geringerer. Querstret & Cropley, 2012.
Also: Die Arbeit kann uns auch nach Feierabend beschäftigen und etwas Gutes auslösen. Die Frage ist, wann aus dem Weiterdenken eine ätzende Endlosschleife wird.
Was wir uns vom Sport abschauen können
Ein guter Trainingsplan reiht keine möglichst harten Einheiten aneinander. Er stimmt Herausforderung und Erholung aufeinander ab. Kellmann et al., 2018.
Hier lohnt sich ein gedanklicher Sprung: Wie gestalten wir mentale Herausforderungen so, dass wir daran wachsen und uns anschließend wieder erholen können?
Der Begriff Allostase beschreibt, wie sich unser Körper auf Anforderungen einstellt – etwa über Kreislauf, Energiebereitstellung und Stresshormone. Werden diese Anpassungssysteme zu häufig oder zu lange aktiviert, können sich körperliche Belastungen ansammeln: die allostatische Last. Damit rückt neben der Herausforderung auch das in den Blick, was danach passiert. McEwen, 1998.
In der Forschung wird diese Last über mehrere körperliche Messwerte erfasst. Im Regensburger Burnout-Projekt waren es beispielsweise 14 Werte, darunter Blutdruck, Entzündungsmarker und Stoffwechselwerte. Bärtl et al., 2022.
Für unseren Alltag ergibt sich daraus eine Frage: Können wir besser erkennen, was uns beansprucht und wann wir uns wieder erholen?
Dafür können wir bei unserer eigenen Erfahrung anfangen. Bin ich nach einer Aufgabe müde und zufrieden? Beschäftigt sie mich abends noch mit guten Ideen oder mit demselben Ärger? Wie starte ich am nächsten Morgen?
Damit bin ich wieder bei meinem Jahresabschluss und dem Award: Die Arbeitsstunden allein erzählen mir zu wenig. Ich möchte verstehen, unter welchen Bedingungen ich gute Arbeit leiste und mich dabei wohlfühle – und wo ich etwas verändern kann. Wann ist die Arbeit gutes Training und entwickelt mich weiter?
Dein erster Drop: Was wirkt nach?
Jede Woche gibt es hier eine Aufgabe in fünf Zonen. Inspiriert vom Ausdauertraining entscheidest du, wie intensiv du dich damit beschäftigst. Such dir eine Zone aus, die in deine Woche passt.
Diese Woche: Welche Arbeit fordert dich auf eine gute Weise? Welche kostet dich länger Kraft, als du eigentlich daran arbeitest?
Zone 1 · Einmal hinsehen
Halte nach einer Aufgabe kurz inne. Wie fühlst du dich? Drei Wörter reichen: etwa „müde, zufrieden, neugierig“.
Zone 2 · Zwei Aufgaben vergleichen
Notiere nach zwei unterschiedlichen Aufgaben, was du geschafft hast und wie du dich fühlst. Welche beschäftigt dich abends noch – und wie?
Zone 3 · Ein Muster entdecken
Beobachte drei Tage lang jeweils eine Aufgabe: Wie geht es dir direkt danach und später am Abend? Schau, was sich wiederholt.
Zone 4 · Etwas verändern
Nimm eine Aufgabe, die dir länger nachgeht. Probiere eine kleine Änderung: eine offene Frage klären, den nächsten Schritt festhalten oder danach bewusst eine Pause einplanen. Was fällt dir anschließend auf?
Zone 5 · Eine Woche experimentieren
Wähle eine wiederkehrende Aufgabe. Beobachte sie zunächst wie gewohnt, verändere dann eine Bedingung – etwa Zeitpunkt, Unterbrechungen oder Erholung danach. Halte fest, was du schaffst und wie du dich fühlst. Was möchtest du nächste Woche beibehalten?
Was hast du entdeckt?
Antworte mir direkt auf diese E-Mail. Ein Satz reicht: „Mir ist aufgefallen, dass …“
Zwei ausgezeichnete Beispiele für bessere Arbeit
Am 16. September haben wir auf der Zukunft Personal Europe die Gewinner unseres ZONE5 Wellbeing & Performance at Work Award ausgezeichnet:
Jurypreis: AFRY Deutschland – „Mentale Gesundheit systematisch stärken“
AFRY erfasst regelmäßig psychische Belastungen und entwickelt daraus Maßnahmen, die Führungskräfte gemeinsam mit den Teams umsetzen. Dabei geht es um konkrete Alltagsthemen: Arbeitsunterbrechungen, Informationsflut, Feedback und Anerkennung.
Für mich passt das zu unserer Wochenaufgabe: Wenn wir bemerken, was uns immer wieder Kraft kostet, entsteht daraus auch eine Frage an die Organisation. Welche Abläufe, Erwartungen oder Absprachen können wir verbessern? Bei AFRY hat diese Arbeit einen festen Platz.
Publikumspreis: Loheland-Stiftung – „The Loheland Table“
Ein gemeinsamer, kostenloser Bio-Mittagstisch schafft Raum für Erholung und Begegnung. Mitarbeitende kommen über Hierarchien hinweg zusammen – an einem Ort, der eine gute Pause ermöglicht. Auch das passt zu unserem Thema: Erholung braucht Platz im Arbeitsalltag.
Glückwunsch an Susanne Kölb-Adam und das AFRY-Team sowie Kim Lutz und das Team der Loheland-Stiftung! Und danke an alle, die Projekte eingereicht, bewertet und beim Publikumspreis mit abgestimmt haben.
Performance & Wellbeing News, die wir in der letzten Woche gelesen haben:
Fußball: Leistung beginnt vor dem Anpfiff.
Hitze, Höhenlage, Luftqualität und Reisen beeinflussen, welche Leistung Fußballer abrufen können. Wissenschaftliche Empfehlungen zur Vorbereitung auf die WM 2026 behandelten deshalb auch Akklimatisierung, Kühlung und Schlafplanung. Für die Arbeitswelt steckt darin ein nützlicher Gedanke: Zur Vorbereitung auf einen wichtigen Termin gehören auch Anreise, Pausen und Arbeitsbedingungen. Wer Leistung erwartet, sollte diese Bedingungen mitplanen.
Mitarbeiterbindung beginnt vor der Kündigung.
Im Gespräch mit Immobilien-CEO Andrew McCann empfiehlt Chris Hanley regelmäßige „Stay Interviews“: herausfinden, was Menschen im Unternehmen hält, was sie frustriert und welche Entwicklung sie suchen. Der praktische Unterschied zum Abschlussgespräch: Die Antworten kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Führung noch etwas verändern kann.
Helfen kann auch die eigene Belastung verändern.
Ein Forschungsüberblick untersucht, wie unterstützendes Verhalten das Wohlbefinden der Helfenden fördern kann. Als mögliche Mechanismen beschreiben die Autoren Belohnung, soziale Verbundenheit und eine Dämpfung von Stressreaktionen. Für Zusammenarbeit ist daran interessant: Jemandem zu helfen kann sich auch für den Helfenden lohnen – neben dem Ergebnis zählt, wie wir die gemeinsame Arbeit erleben.
Ein störender Gedanke muss nicht den nächsten Schritt bestimmen.
Psychologische Flexibilität bedeutet, trotz unangenehmer Gedanken und Gefühle den eigenen Zielen entsprechend zu handeln. In Untersuchungen von Lis Johles berichteten Sportler mit höherer Flexibilität über bessere Leistung und höhere Lebensqualität. Für unsere Woche nehme ich daraus mit: Wir müssen nicht erst jeden Zweifel auflösen, bevor wir sinnvoll weiterarbeiten können.
KI-Veränderung braucht klare Führung, auch ohne fertige Antworten.
Autor Marcel Schwantes leitet aus einem Vortrag von Brené Brown drei Empfehlungen ab: offenlegen, was bekannt und noch unklar ist; Schwierigkeiten der Mitarbeitenden verstehen; Raum für Experimente geben. Für die Praxis heißt das: Bei einer KI-Einführung gehören ehrliche Rückmeldungen über Hindernisse genauso auf die Agenda wie die Nutzung der neuen Werkzeuge.
NEXT · IN EIGENER SACHE
ZONE5 LIVE · 20. OKTOBER 2026 · MÜNCHEN
Bundesliga. Vollzeitjob. Was wir über Leistung falsch verstehen.
Personalmesse München · Talk mit Carmen Höfflin
Warum alles geben, wenn das große Geld ausbleibt? Und was gibt dir Kraft, wenn Leidenschaft allein nicht reicht? Carmen Höfflin, frühere Spielerin der Frauen-Bundesliga und heute Expertin für DAZN und ZDF, kennt beide Seiten: selbst Leistung bringen und die Leistung anderer beurteilen. Wir blicken gemeinsam hinter die 90 Minuten: Wie verändert sich unser Urteil, wenn wir wissen, was Leistung kostet? Ein ZONE5-Gespräch darüber, was uns antreibt, welche Maßstäbe wir anlegen – und was uns trägt.
Eine gute Woche und viel Spaß beim Ausprobieren!
Jan